Alpe-Adria-Radweg
Alpe-Adria-Radweg: Eckdaten
ca. 415 km + ca 27 km Anreise
3 Etappen
leichte Alpenüberquerung
Salzburg - Grado
Österreich (Salzburg, Kärnten) und Italien (Friaul-Julisch Venetien)
ca. 80% befestigt
einfach, gute Grundkondition
Zug - Tauernschleuse









Noch mehr Eindrücke von der Tour? Alle Bilder gibt’s in der Impressionen-Galerie.
Alpe-Adria-Radweg: Von der Mozartstadt bis ans Meer
Morgens in Salzburg lostreten, abends am letzten Tag die Füße in die Adria hängen. Dazwischen liegen die Alpen. Trotzdem schaffen das auch Leute ohne große Bergerfahrung, und der Grund dafür ist beim Alpe-Adria-Radweg ziemlich clever gelöst.
Der Alpe-Adria-Radweg zählt zu den bekanntesten Fernradwegen Europas, die eine echte Alpenüberquerung mit einer Reise ans Meer verbinden. Auf rund 410 bis 415 Kilometern verläuft er quer durch zwei Länder, durch mehr als 20 Tunneln, historischen Städten und einigen der klarsten Seen Kärntens, bis er schließlich durch eine Lagune im italienischen Grado endet. Seit 2012 ist die Route durchgehend beschildert und mit EU-Fördermitteln ausgebaut, seither hat sie sich zu einer der beliebtesten Alpenquerungen für Radfahrer aller Erfahrungsstufen entwickelt.
Was die Strecke besonders macht: Sie verbindet vier bereits bestehende, einzeln bekannte Radwege miteinander, den Salzachradweg, den Tauernradweg, den Drauradweg und den Gailtalradweg, ergänzt durch neu gebaute Verbindungsstücke und den italienischen Pontebbana-Bahntrassenweg. So entsteht eine durchgehende Route, die auf fast gerader Linie durch die Alpen führt, ohne dass Radfahrer dafür eine steile Passstraße erklimmen müssen.
Was ist der Alpe-Adria-Radweg überhaupt?
Der Alpe-Adria-Radweg (italienisch: Ciclovia Alpe Adria) verbindet Salzburg mit dem italienischen Adria-Städtchen Grado in Friaul-Julisch Venetien. Rund 410 bis 415 Kilometer liegen dazwischen, die genaue Zahl schwankt je nach Quelle und gefahrener Routenvariante etwas. Offiziell ist der Weg in acht Tagesetappen zu durchschnittlich rund 55 Kilometern gegliedert. Seit 2012 verbindet die Route Salzburg mit Grado, ausgebaut wurde sie mit EU-Fördermitteln.
Grundgedanke war es, bereits bestehende Radwege miteinander zu verknüpfen und nur wenige neue Abschnitte zu bauen, etwa bei Werfen in Salzburg oder im kärntnerischen Arnoldstein. Dadurch lassen sich die Alpen auch für Radfahrer erschließen, die keine steilen Passstraßen fahren wollen. Mehr als 20 Tunnel entlang der gesamten Strecke machen das möglich, darunter der Klammstein-Radtunnel im Gasteinertal und der acht Kilometer lange Eisenbahn-Tauerntunnel zwischen Böckstein und Mallnitz.
Nur zwei Länder durchquert die Strecke, Österreich und Italien. Landschaftlich passiert trotzdem einiges dazwischen: Salzburger Alpenvorland, Hohe Tauern, Kärntner Seenland, Kanaltal, Friaul, und am Ende die Weite der Adria-Küstenebene.
Der Trick mit der Tauernschleuse
Statt über einen Alpenpass zu fahren, wird der Alpenhauptkamm bei Böckstein mit dem Zug durchquert, der sogenannten Tauernschleuse. Durch den Tauerntunnel geht es in rund 11 Minuten nach Mallnitz, Fahrräder fahren in einem eigenen Waggon mit. Damit liegt der höchste Punkt der ganzen Strecke bei 1.191 Metern in Mallnitz, der tiefste bei 0 Metern in Grado. Er nimmt einem die Alpen, ohne einem die Alpen zu nehmen.
Auf der anderen Seite des Tunnels beginnt das Mölltal, eingerahmt von der Reißeckgruppe im Norden und der Kreuzeckgruppe im Süden, beide mit Gipfeln über 3.000 Metern. Nahe Mallnitz liegt außerdem das Naturschutzgebiet Stappitzer See mit mehreren Wasserfällen, ein beliebter Zwischenstopp im Nationalpark Hohe Tauern.
Wichtig für alle, die die Tour aktuell planen: Im Frühjahr 2025 war der Tauerntunnel Böckstein–Mallnitz wegen Bauarbeiten gesperrt, seit Juli 2025 ist die Strecke wieder regulär befahrbar. Vor der Abreise lohnt sich trotzdem ein kurzer Check, ob es aktuelle Einschränkungen gibt.
Landschaften in Österreich: Salzachtal, Gasteinertal, Kärntner Seen
Die erste Etappe ab Salzburg führt entlang der Salzach in die Salzburger Kalkalpen. Kurz nach dem Start liegt Hallein mit den Salzwelten und dem Keltenmuseum, danach wird das Tal enger und man passiert die Salzachöfen, den markanten Durchbruch der Salzach durch das Tennengebirge, sowie den Pass Lueg. Bei Werfen liegt die mittelalterliche Burg Hohenwerfen, unweit davon auch die Eisriesenwelt, die größte Eishöhle der Erde. Zwischen Golling und Werfen fehlt auf rund 17 Kilometern noch ein durchgehender Radweg, weshalb hier gerade Familien häufig auf die Bahn ausweichen.
Weiter geht es über Bischofshofen mit seiner bekannten Skisprungschanze nach St. Johann im Pongau. Von dort lohnt sich ein Abstecher zur Liechtensteinklamm, einer der tiefsten Schluchten im Alpenraum: Auf vier Kilometern Länge hat sich die Großarler Ache bis zu 300 Meter tief in den Fels gegraben. Danach führt der Weg ins Gasteiner Tal, vorbei an Bad Hofgastein mit seiner Alpentherme, bis nach Bad Gastein mit dem bekannten Gasteiner Wasserfall und der Felsentherme.
Nach der Zugfahrt durch die Tauernschleuse folgt der Weg dem Mölltal über Obervellach und Möllbrücke ins Drautal, vorbei am Millstätter See, einem der klarsten Badeseen Kärntens. In Spittal an der Drau liegt Schloss Porcia, ein Renaissance-Bau aus dem 16. Jahrhundert, den Kunsthistoriker als einen der schönsten Renaissancebauten südlich der Alpen bezeichnen. Weiter an der Drau entlang erreicht man Villach mit seiner sehenswerten Altstadt, in der Nähe liegen der Ossiacher und der Faaker See. Von Villach führt der Weg leicht ansteigend entlang der Gail über Arnoldstein zur österreichisch-italienischen Grenze bei Thörl-Maglern.
Weitere Infos könnt ihr gerne auch hier entnehmen: Wikivoyage – Alpe-Adria-Radweg
Landschaften in Italien: Kanaltal, Friaul, die Adria
Kurz hinter der Grenze beginnt bei Camporosso der eindrucksvollste Abschnitt der gesamten Strecke: rund 47 bis 53 Kilometer auf der stillgelegten Bahntrasse Pontebbana durch das Kanaltal, je nach Quelle mit 22 Tunneln sowie zahlreichen Viadukten und Brücken. Die alte Bahnlinie zwischen Tarvis und Pontebba wurde 1879 eröffnet und verband bis 1918 Österreich-Ungarn mit Italien, ehe der Friedensvertrag von Saint-Germain die Grenze verschob. Seit dem Bau einer neuen, zweigleisigen Bahnstrecke zwischen 1985 und 2000 liegt die alte Trasse brach und wurde mit EU-Mitteln zu einem asphaltierten Radweg umgebaut, mit einer sanften Steigung von maximal 2,2 Prozent, typisch für ehemalige Bahntrassen.
Der Weg folgt dabei dem Fella-Fluss, unter anderem vorbei am Bahnhof Chiusaforte, wo Autobahn, Fluss und Radweg sich durch ein enges Tal zwängen. Bei Moggio muss die Trasse kurz verlassen werden, danach erreicht man das historische Venzone, dessen gotische Kirche Santa Maria Maggiore nach einem Erdbeben in den 1970er-Jahren wieder aufgebaut wurde. Weiter geht es über Gemona, ebenfalls nach einem Erdbeben wiederaufgebaut, mit einem bekannten, seither leicht schiefen Dom, und Osoppo mit seiner historischen Festung, bis nach Udine, einer Handelsstadt mit rund 100.000 Einwohnern und venezianischem Flair.
Von Udine führt die Route weiter zur Festungsstadt Palmanova, einer sternförmig angelegten Planstadt aus dem 16. Jahrhundert mit vollständig erhaltener Stadtbefestigung, und weiter nach Aquileia, einer römischen Kaiserresidenz und heute UNESCO-Weltkulturerbe mit Ausgrabungen von Forum, Amphitheater, Basilika und antiken Mosaiken. Die letzten rund fünf Kilometer führen über einen Damm durch die Lagune nach Grado, dem Zielort an der Adria mit historischer Altstadt und Sandstränden.
Für wen eignet sich die Tour
Der Weg gilt als mittelschwer. Die meisten Abschnitte sind gut ausgebaute, oft asphaltierte Radwege, der italienische Streckenteil durch das Kanaltal gilt sogar als zu rund 90 Prozent autofrei. Es gibt aber auch unbefestigte Schotter-Stücke und kurze Passagen auf Bundesstraßen ohne eigene Radinfrastruktur, vor allem in Österreich, etwa zwischen Golling und Werfen. Wer konditionsstark ist, schafft die Strecke auch in wenigen, langen Tagesetappen statt der offiziellen acht, die reine Fahrzeit wird je nach Tempo auf etwa 30 Stunden geschätzt. Trekking-, Gravel- oder E-Bikes eignen sich gut, für Renn- oder Stadträder sind einzelne Abschnitte weniger geeignet.
Beste Reisezeit
Mitte April bis Oktober ist die Strecke befahrbar. Juni, Juli und September gelten als besonders angenehm, im August kann es im flacheren Friaul schon ziemlich heiß werden.
Zur Rückreise gibt es mehrere Optionen: Ab Villach verkehrt in den Sommermonaten der Zug MICOTRA über Udine und Venzone bis Triest, außerdem gibt es einen Bici-Bus zwischen Grado und Udine mit Anschluss an den Zug. Wichtig für alle, die aktuell planen: Die Bahnstrecke zwischen Udine und Tarvis wird laut ÖAMTC ab Sommer 2026 bis 2028 immer wieder gesperrt sein, was die Rückreiseplanung beeinflussen kann.
Meine eigene Rückreise habe ich mit dem Bus-Shuttle der Firma Oberkoffler gemacht, die einen organisierten Rücktransport von Grado nach Salzburg anbietet. Für 120 Euro ging es in einem großen Bus mit Fahrradanhänger von Grado bis nach Anif kurz vor Salzburg, mit einer Pause in Arnoldstein. Offenbar hat sich die Streckenführung mit den Stopps seit meiner Fahrt geändert, aktuelle Infos dazu gibt’s direkt bei Oberkoffler.
Warum sich der Weg lohnt
Auf rund 400 Kilometern wechseln sich alpine Bergwelt, Flusstäler, Seen, mediterrane Kleinstädte und am Ende das offene Meer ab. Dazu kommt die Tauernschleuse, die aus einer sportlichen Herausforderung eine für viele machbare Tour macht, und der rund 50 Kilometer lange Bahntrassen-Abschnitt im Kanaltal, den ein ÖAMTC-Reporter einmal zu den schönsten Radrouten des Kontinents zählte.
Wie sich die drei Tage tatsächlich anfühlen, steht in den folgenden Beiträgen, Etappe für Etappe:
Etappe 1: Salzburg - Mallnitz
Von der Mozartstadt geht es entlang der Salzach durch die Salzachöfen und vorbei an der Burg Hohenwerfen ins Gasteinertal. Highlight des Tages: die Tauernschleuse, eine Zugfahrt mitten durch den Alpenhauptkamm, die dich unterirdisch nach Mallnitz bringt.
Etappe 2: Mallnitz - Tarvis
Vom Nationalpark Hohe Tauern führt der Weg durchs Mölltal und Drautal vorbei am Millstätter See bis nach Villach. Kurz nach der Grenze bei Thörl-Maglern beginnt bereits das italienische Kanaltal mit seiner alten, heute zum Radweg umgebauten Bahntrasse.
Etappe 3: Tarvis - Grado
Auf der ehemaligen Bahntrasse durchs Kanaltal geht es vorbei an den wiederaufgebauten Städtchen Venzone und Gemona weiter nach Udine. Über die Sternfestung Palmanova und die antiken Ausgrabungen von Aquileia führt die letzte Etappe schließlich über einen Damm direkt ans Ziel: die Adria in Grado.
Noch mehr Eindrücke von der Tour? Alle Bilder gibt’s in der Impressionen-Galerie.
Warum dieser Radweg
Der Alpe-Adria-Radweg gilt als technisch und konditionell vergleichsweise anspruchslose Alpenüberquerung, da der Alpenhauptkamm per Zug durch die Tauernschleuse überwunden wird. Auf rund 410 Kilometern wechseln sich alpine Bergwelt, Flusstäler, Seen, mediterrane Kleinstädte und am Ende das offene Meer ab.
Für alle Konditionsstufen geeignet – Dank Tauernschleuse keine Passfahrt nötig
Landschaftsvielfalt – Berge, Seen und Meer auf einer einzigen Tour
Größtenteils gut ausgebaut – Überwiegend asphaltiert, im Kanaltal rund 90 % autofrei
Mein persönliches Highlight – Die alte Bahntrasse ab Tarvis: Landschaft, Tunnel, Brücken und ein hervorragend ausgebauter Radweg.